In vielen Unternehmen wird Produktentwicklung nach wie vor stark mit der CAD-Abteilung verbunden. Dort entstehen schliesslich Geometrien, Baugruppen und Zeichnungen, also alles, was man am Ende „sehen“ kann. Trotzdem greift diese Sichtweise zu kurz. Die eigentliche Produktdefinition startet deutlich früher und genau an dieser Stelle kann ein PLM-System einen echten Mehrwert liefern.
Die frühe Phase: Ideen, Anforderungen und Rahmenbedingungen
Am Anfang steht selten direkt ein konkretes Bauteil, sondern eher eine Fragestellung: ein Problem, das gelöst werden soll, oder eine Idee, die sich lohnt weiterzuverfolgen. Kundenanforderungen, Markttrends, interne Ziele oder auch neue Technologien spielen hier zusammen. Typische Fragen in dieser Phase sind zum Beispiel:
- Welches Problem wollen wir überhaupt lösen?
- Wer ist die Zielgruppe?
- Was ist zwingend notwendig – und was eher „nice to have“?
- Welche Randbedingungen müssen berücksichtigt werden?
Ein PLM-System hilft dabei, diese Informationen nicht irgendwo in E-Mails, Excel-Listen oder Meetings „versanden“ zu lassen. Stattdessen werden sie zentral abgelegt, strukturiert und sind für alle Beteiligten nachvollziehbar.
Vom Bedarf zur Spezifikation
Sobald aus ersten Ideen konkrete Anforderungen werden, nimmt die Produktdefinition langsam Form an. Lastenhefte, Pflichtenhefte oder auch User Stories übersetzen das Ganze in technische Anforderungen. Hier zeigt sich ein großer Vorteil von PLM-Systemen:
- Anforderungen liegen zentral vor
- Änderungen sind nachvollziehbar
- Zusammenhänge werden sichtbar
- und die Nachverfolgbarkeit bleibt über den gesamten Prozess erhalten
Das sorgt dafür, dass Entscheidungen in der Konstruktion später nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden, sondern auf klar dokumentierten Anforderungen basieren.
Zusammenarbeit über Abteilungen hinweg
Ein Produkt entsteht nicht nur in der Konstruktion. Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Produktion und Service haben alle ihren Anteil daran. PLM bringt diese Bereiche besser zusammen:
- Alle arbeiten auf einer gemeinsamen Datenbasis
- Rollen und Freigaben sind klar geregelt
- Kommunikation wird transparenter
- Produktion und Einkauf können frühzeitig eingebunden werden
So wird vermieden, dass Anforderungen entstehen, die zwar technisch umsetzbar sind, aber später Probleme in der Fertigung oder bei den Kosten verursachen.
Übergang in die Konstruktion
In der Praxis gibt es oft einen Bruch zwischen früher Produktdefinition und eigentlicher Konstruktion. Informationen gehen verloren, werden doppelt gepflegt oder unterschiedlich interpretiert. Genau hier spielt PLM seine Stärke aus:
- Anforderungen lassen sich mit Bauteilen und Baugruppen verknüpfen
- Änderungen bleiben nachvollziehbar
- CAD-Daten stehen im direkten Zusammenhang mit den zugrunde liegenden Anforderungen
Die Konstruktion arbeitet damit nicht isoliert, sondern als Teil eines durchgängigen Prozesses.
Weniger Schleifen, bessere Ergebnisse
Wenn die Produktdefinition früh sauber aufgesetzt ist, macht sich das im weiteren Verlauf deutlich bemerkbar:
- weniger Abstimmungsaufwand
- weniger Rückfragen
- Zielkonflikte werden früher erkannt
- Entscheidungen sind belastbarer
Ein PLM-System löst diese Themen nicht von allein, schafft aber die notwendige Struktur und Transparenz.
Fazit
Produktdefinition beginnt nicht erst in der CAD-Abteilung. Wer das ernst nimmt und PLM gezielt einsetzt, sorgt schon in einer sehr frühen Phase für Klarheit. Das zahlt sich später aus: Die Konstruktion arbeitet effizienter, Abstimmungen werden einfacher und am Ende entsteht in der Regel auch das bessere Produkt.
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